22. Workshop 14./15. November 2025 - Beilngries
Teil 1: Freitag, 14. November 2025
Wie in jedem Herbst fanden sich während grauer Novembertage die an Fortbildung Interessierten im Gasthof Fuchsbräu ein.
Es war uns wieder gelungen ein abwechslungsreiches und aktuelles Programm zusammenzustellen. Auch das persönliche Miteinander kam nicht zu kurz.
Den ersten Part hielt Professor Dr. Christoph Dörfer aus Kiel. Es war mir eine große Ehre diesen ehemaligen Präsidenten der DG -Paro bei der Jahrestagung unseres kleinen lokalen Vereins begrüßen zu dürfen. Im Jahre 2008 war Professor Dörfer schon einmal Gast bei uns im Rahmen eines „Brennpunktes“ in Kloster Banz. Nun war es Zeit für ein Update!
In einem brandaktuellen Vortrag vermittelte er uns die neusten Erkenntnisse der Parodontitisgenese und die aktuellen Leitlinien der Parodontaltherapie. Nicht einzelne mit Namen zu benennende der 19000 in der Mundhöhle seßhaften Bakterien sind für Taschenbildung und Parodontalerkrankungen verantwortlich, sondern die Veränderung im Biofilm von einer Symbiose zur Dysbiose. Die Resistenzbildung, das Interagieren und das Lernen voneinander verschiedenster, sonst vermeintlich harmloser, Keime ist der entscheidende Punkt! Diese Parameter können durch verschiedene oft schwer oder garnicht von uns beeinflussbarer Faktoren ausgelöst werden. So zählte er als Risikofaktoren die Genetik, die etwa 20-30% ausmacht, das Geschlecht, das Lebensalter, eine Diabeteserkrankung, Nikotinabusus, bestimmte Diätformen, Alkoholabusus, Fettleibigkeit, virale Infektionen, Depressionen und Stress auf.
Durch diese Faktoren können die Gewichtungen im Biofilm zum pathologischen verschoben werden. Die einzig effektive Gegenmaßnahme ist die Beseitigung des Biofilms. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich über einen relativ kurzen Zeitraum das Keimspektrum wieder zu einem dem Gesunden ähnlichen zurückentwickelt!
KIEL , THE SCALING CITY, in Adaptation des Werbespruchs Kiel, the SAILING City.
Durch eine aktive Therapie, also AIT oder CPT, wird eine Basis geschaffen, Störfaktoren werden beseitigt, ein vermeintlich sauberes Umfeld wird geschaffen. Einmaligkeit bei maximaler Effizienz mit scharfen Instrumenten steht dabei im Vordergrund. Adjuvantien wie lokale Antibiotika- oder CHX Gaben und systemische Antibiotikatherapie nach dem 35. Lebensjahr sind sehr kritisch zu bewerten! Eine Photodynamische Therapie ( CAVE!! oft nicht zugelassene Farbstoffe!!) oder das Belassen von nur „polierten“ Konkrementen hat sich als wenig effektiv erwiesen.
Der zweite Baustein ist natürlich eine effektive häusliche Pflege, da der Biofilm ja nur vorübergehend besiegbar ist! Beim Einsatz der Zahnbürste kommt es nicht auf eine spezielle Bürsttechnik sondern vielmehr auf die Zeitdauer, den Zeitpunkt der Pflege und eine effektive Systematik an! Nach neusten Studien zeigen elektrische Zahnbürsten, unabhängig ob schallgetrieben oder oszillierend, eindeutige bessere Ergebnisse. Zweimal zwei Minuten Putzdauer ist Vorschrift! Unerlässlich ist dabei eine Zeituhr, ein Timer, sonst wird beim Putzen eine Zeitdauer von 50s selten überschritten! Ein längeres Putzen oder ein Zuviel des Druckes führt allerdings zu Rezessionen!
Als Produktempfehlung kann mit ruhigem Gewissen der Einsatz einer zinnfluoridhaltigen Zahnpasta gegeben werden, um den entzündungshemmenden Faktor auszunutzen. Auf Grund der Morphologie der Zähne ist die Zahnseide in der Zwischenzahnpflege eher uneffektiv! Der Goldstandard ist hier die Interdentalbürste gefolgt von Interdentalpicks, gummierte Stäbchen. Allerdings sollte auf eine perfekt passende Auswahl der Größe geachtet werden!
Bei der unterstützenden Parodontitistherapie (UPT) ist auf den notwendigen, vorher festgelegten Wiederholungsfaktor bei maximaler Schonung der Zahnhartsubstanz zu achten Dabei kommen zweckmäßigerweise stumpfe Instrumente, Küretten und knospenförmige Ultraschallansätze, die der Diamantbeschichtung verlustig gegangen sind, zum Einsatz. Ein Paradigmenwechsel scheint sich dabei abzuzeichnen: In Zukunft könne wird unter Umständen die Empfehlung gelten, zuerst die weichen Beläge zu entfernen, um sich dann erst gezielt den nun gut sichtbaren, wenigen verbliebenen harten Konkrementen zu widmen. Ein regelmäßiges Einfärben vor der UPT ist unerlässlich.
Zusammenfassend lässt sich sagen ,der Erfolg einer Parodontaltherapie hängt im Wesentlichen vom Erkennen der Komplexität der Erkrankung ab, meist besteht ein Mix von Risikofaktoren, der Effizienz und natürlich der Qualität der Behandlungsdurchführung. Bei der UPT hat die Substanzschonung oberste Priorität.
In der anschließenden Mitgliederversammlung mit Rekordbeteiligung wurde der Vorstand ohne Gegenstimmen entlastet. Der Vorsitzende Dr Grelle kündigte zwei Kollegen, Frau Dr. Andrea Albert und Herrn Dr. Stefan Klaas als Aspiranten für die Vorstandsarbeit an. Die zwei Kollegen stellten ten sich den anwesenden Mitgliedern vor. Ein weiteres Mitglied schloss sich der Vorstands WhatsApp-Gruppe an. Dr. Grelle schlug eine Klausurtagung des erweiterten Vorstand für das Frühjahr 2026 zur Neuorientierung und Zukunftssicherung des Vereins vor.
Daraufhin wurde in teils heftiger Diskussion ein schärferes Profil des Vereins gefordert, wofür stehen wir, was zeichnet uns aus? Ist der Verein, wie er sich jetzt darstellt, nicht überholt und entbehrt einer Daseinsberechtigung? Es wurden auch entschiedene Gegenstimmen werden laut. Der Verein zeichnet sich durch eine gemeinsame Schulung von Zahnärzten und Assistenzpersonal in allen Bereichen der Prophylaxe aus. Dabei schauen wir auch über den Tellerrand! Im Vordergrund steht aber auch besonders das kollegiale Miteinander, der Austausch! Diese Atmosphäre zieht auch meist unsere hochkarätigen Referenten in ihren Bann.
Wie Prof. Dörfer erst kürzlich sagte: so eine Veranstaltung der Basis erdet mich! In der heutigen schnelllebigen Zeit mit unkomplizierten und preisgünstigen Online-Fortbildungen kommt das kollegiale Miteinander eher zu kurz. Diese Lücke können und wollen wir füllen!
Teil 2: Samstag, 15. November 2025
Nach einem ausgiebigen stärkenden Frühstück versammelte sich die Zuhörerschaft, um Frau Nicola Noltes Vortrag über die PA Strecke bei vulnerablen Patienten zu lauschen. Dieser Vortrag kam durch die Vermittlung der Firma Kreussler zustande. Ein besonderes Dankeschön an dieser Stelle!
Unter vulnerablen Gruppen versteht man Patienten mit Down Syndrom, Demenz oder anderen Arten körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen. Hier ist eine parodontologische Behandlung ohne vorherige Beantragung bei der Krankenkasse möglich. Es genügt lediglich eine unbürokratische Anzeige. Somit kann an dem Tag, an dem festgestellt wird,dass eine PA-Behandlung notwendig ist, auch gleich mit der AIT begonnen werden. Aktuelle Röntgenbilder sind nicht erforderlich! Außerdem ist in diesem Fall auch eine gleichzeitige CPT an behandlungsbedürftigen Zähnen möglich. Man spricht dann von einer Mischbehandlung. Um Stress beim Patienten zu vermeiden, sollte an einem Termin - wenn möglich in gewohnter Umgebung - eine umfangreiche, zielgerichtete Therapie stattfinden.
Patienten mit Eingliederungshilfe und Pflegegrad sind zudem aus der Budgetierung ausgeschlossen, d.h. alle Leistungen, die für diese Patienten abgerechnet werden, werden nicht gekürzt und kommen zu 100% der Praxis zu. Per Dekret sind alle diese Patienten in Grad B einzuteilen. Die Positionen ATG, MHU, UPTa, UPTb dürfen nicht abgerechnet werden. Bei allen anderen Positionen ist ein kleines „s“ dranzuhängen, z.B. AITas oder UPTcs.
Selbstredend ist eine genaue Anamnese und Befundung von Nöten. Ein Nachweis der Pflegestufe und die Unterschrift der betreuenden Person muß vorliegen. Private Vereinbarungen zur Reinigung von Brückengliedern, Implantaten und herausnehmbarem Zahnersatzes sowie der Einsatz von Taschenanästhie oder lokaler Adjuvantien wie Periochip oder Ligosan sind möglich. Nach Ablauf der 2-jährigen UPT Strecke ist keine Verlängerung möglich. Allerdings kann die Strecke von Neuem gestartet werde, wenn Behandlungsbedarf besteht. Die Zuhörerschaft dankte für die vielen neuen Erkenntnisse im Therapieablauf und der Abrechnung.
Nach einer Lüftungspause mit belebenden Getränken bestritt Frau Tanja Ficht den 2. Vortrag des Vormittags: Style your Smile. Die geprüfte Stilberaterin wies uns spielerisch nach, dass wir fast immer automatisch über die Verpackung auf den Inhalt schließen. Das ist beim Jogurtbecher oder anderen Dingen des täglichen Bedarfs nicht anders als beim Menschen. Der 1. Eindruck wird zu 60% durch nonverbale Inhalte, zu 30% durch die Sprache und Modulation der Stimme und nur zu 10% durch der Inhalt der Worte bestimmt. Oft hat man keine Chance für einen 2. Eindruck! Auf jeden Fall kostet es sehr viel Energie den 1. Eindruck zu revidieren.
Nun hieß es nonverbale Kompetenz zu zeigen! Wie vermittele ich
- Kompetenz
- Authentizität
- Bodenständigkeit - bestimmt nicht durch Highheels!
- Seriosität
- Warmherzigkeit
- Lässigkeit - vielleicht durch hoch gekrempeltes Ärmel
- Zugängigkeit - bestimmt nicht durch ein zugeknöpftes Hemd oder Bluse
Die Auswahl der Kleidung sollte dem Anlass, der Haarfarbe, der Jahreszeit und schließlich dem eigenen Gefühl entsprechen. Ausgiebig wurde das Thema FARBE behandelt.
In Mitteleuropa sind kühlere Farbtypen wie Blau vorrangig, im Süden dagegen eher warme Farben wie gelb. Gelb steht auch für Lebensfreude. Die jeweilige Farbe beeinflusst die Stimmung.
- Rot gilt als Kraftfarbe - Liebe, Stärke, Zorn
- Blau ist die typische Verkäuferfarbe - Vertrauen, Ehrlichkeit, Seriosität, Klarheit
- Weiß symbolisiert die Reinheit, wirkt aber auch steril
Heute unterscheidet man bis zu 30 Farbtypen. Im Zweifel: in unseren Breiten steht das Marine- oder Petrolblau den meisten Menschen. Die Wirkung verschiedener Farben auf unterschiedliche Farbtypen wurde ausführlich in Form von farblich unterschiedlichen Schals bei unseren Damen demonstriert. Die Wirkung war verblüffend. Trotz einiger skeptischer Blicke besonders bei den Herren gingen die Zuhörer mit einem deutlichen MEHR an nonverbaler Kompetenz in die Mittagspause.
Der Vorsitzende Dr. Grelle dankte den Referenten und dem Auditorium gleichermaßen für die informative und harmonische Tagung und wünschte eine gute Heimreise.
Auf ein Wiedersehen beim Workshop Beilngries am 13./14.11.2026 im Fuchsbräu!
